Eisenbahn


Geschichte der Eisenbahn im Gebiet Golpa-Nord (heute Ferropolis)

Bereits im Jahr 1846 finden die ersten Kohleförderungen im Raum Möhlau, Golpa und Zschornewitz statt. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, die Kohle gewinnbringend zu erschließen, werden erst Anfang des 20. Jahrhunderts, mit dem Bau des Kraftwerks in Zschornewitz, wieder ernsthafte Anstrengungen unternommen, die Braunkohle zu fördern.

Das am 15. Dezember 1915 in Betrieb genommene Zschornewitzer Kraftwerk wird anfangs über Ketteneimer beschickt. Im Jahre 1935 wird die „Bergwitzbahn“ - eine 900mm Schmalspurbahn vom Braunkohletagebau Bergwitz ins etwa 20 km entfernte Zschornewitz - in Betrieb genommen.

Mit der Inbetriebnahme des neuen Kraftwerks „Elbe“ in Vockerode im Jahre 1937 wird die von Bergwitz kommende 900mm Kohlebahn über Zschornewitz hinaus bis nach Vockerode verlängert. Dabei nutzt man zwischen Jüdenberg und Oranienbaum die Trasse der bereits bestehenden Zschornewitzer Kleinbahn und ab Oranienbaum die Gleise der Regelspur-Anschlussbahn durch den Bau eines Drei-Schienen-Gleises.

Im Jahr 1955 wird der Betrieb der Schmalspurbahn eingestellt. Teile des aufgegebenen Bahndammes von Bergwitz nach Zschornewitz werden später als Erschließungsstraße für Golpa-Nord genutzt.

Am 7. Februar 1956 wird die Kohlefernbahnverbindung vom Braunkohletagebau Muldenstein zu den Kraftwerken Zschornewitz und Vockerode in Betrieb genommen.

Der ab 1958 aufgeschlossene Tagebau Golpa-Nord wird ab 1961 eisenbahntechnisch angeschlossen. Es beginnt der Aufbau der Gleise im Bereich Stw. 31. 1962 wird das Gleisdreieck bei Jüdenberg errichtet, so dass der Tagebau Golpa-Nord nun beidseitig über die Kohlefernbahn erreichbar ist. Am 27. Juli 1964 fährt der erste mit Braunkohle beladene Zug aus dem Tagebau Golpa-Nord in Richtung Kraftwerk Zschornewitz. Dieses Ereignis jährte sich im Jahr 2014 bereits zum 50. Mal.

1966 wird das Kippenstellwerk 36 in Betrieb genommen.

Durch den Umbau des Kraftwerks Zschornewitz auf Erdgasbetrieb, wird der Braunkohleabbau zurückgefahren, bis er ab 1968 schließlich gestundet wird. Probleme bei der Erdgaslieferung führen jedoch dazu, dass ab 1972 wieder mit der Braunkohleförderung begonnen wird.

1972 wird das Stellwerk 35a in Betrieb genommen.

Zwischen 1976 und 1978 wird durch die Einstellung der Kohleförderung im Tagebau Muldenstein das Stellwerk 03 im Bereich Burgkemnitz aufgelassen und der Stellwerksbereich wird umgebaut. Zwei Gleise werden mit DR-Fahrleitung versehen.

1979 wird die Hilfskohleausfahrt von Stellwerk 31 zum Stw 35 in Betrieb genommen.

1984 wird das Kippenstellwerk 38 errichtet.

Am 12. Mai 1989 fährt der letzte Abraumzug zu den Absetzern. Damit wurden insgesamt 348,5 Mio. t Abraum gefördert.
Am 30. April 1991 verlässt der letzte Kohlezug den Bereich Stellwerk 31.

Im Hinblick auf die Expo 2000 wird auf einer Halbinsel im Tagebau Golpa-Nord, auf der einst die Tagesanlagen stationiert waren, nach Plänen des Dessauer Bauhauses mit dem Aufbau von Ferropolis begonnen. Hierzu wird 1997 ein Verbindungsgleis von Stw. 31 zu den Tagesanlagen errichtet.

Im Jahr 1996 gründet sich der Verein FBE - Ferropolis Bergbau- und Erlebnisbahn. In den folgenden Jahren werden etliche Schienenfahrzeuge als Zeitzeugen gesammelt und auf dem Ausstellungsgelände am Stw. 31 ausgestellt.
1998 wird die Kohlebahn aus der Bergaufsicht entlassen.

Wegen Vereinsunstimmigkeiten wird 2007 die Fahrzeugsammlung der FBE am Stw. 31 aufgelöst. Viele Fahrzeuge werden verschrottet, einige können gerettet werden und werden z.B. nach Falkenberg/Elster verbracht.
Am 31. Mai 2008 wird der Saisonverkehr von Oranienbaum nach Ferropolis durch die Dessau-Wörlitzer-Eisenbahn wieder aufgenommen.

Seit 2011 fährt jährlich der MELT!-Sonderzug auf der ehemaligen Kohlebahn bis nach Ferropolis. Zunächst nur über Dessau erreichbar, ist seit 2013 auch die direkte Anfahrt aus Richtung Burgkemnitz wieder möglich.
Im Mai 2014 verkehrt ein Dampfsonderzug aus Berlin bis nach Ferropolis. Im September folgen mehrere Sonderfahrten der Dessau-Wörlitzer-Eisenbahn.

Seit 2014 nimmt sowohl der Saisonverkehr der Dessau-Wörlitzer Eisenbahn als auch der Sonderzugverkehr weiter zu.